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Keine Kurzen für Kurze

Zusammenfassung

Die Stadtspitze Kölns beauftragte 1999 wegen des zunehmenden Alkoholkonsums im Jugendalter an Karneval die Ämter mit der Erstellung eines Konzeptes zur Alkoholprävention. Das Hauptziel war, an den Karnevalstagen den Alkoholmissbrauch im Jugendalter zu senken. Daraufhin entwickelte die Stadtverwaltung gemeinsam mit vielen Partnern die Kampagne "Keine Kurzen für Kurze" - gemeinsam gegen die Abgabe von Alkohol an Kinder und Jugendliche mit zahlreichen Modulen, die u. a. ganzjährig angelegt sind.

Kontaktdaten

Träger:
Stadt Köln und Kooperationspartner
Straße, PLZ Ort, Bundesland:
Willy-Brandt-Platz 3, 50673 Köln, Nordrhein-Westfalen
Telefon:
0221-221-27998

Projektbeschreibung

Verhaltens- und Verhältnisprävention

Im Rahmen des Kölner Karnevals wurde "Keine Kurzen für Kurze" ein weit verbreitetes und von der Bevölkerung akzeptiertes Motto. "Keine Kurzen für Kurze" richtet sich an Gewerbetreibende, Eltern und die Öffentlichkeit. Mit dieser Botschaft sind sowohl verhältnispräventive als auch verhaltenspräventive Maßnahmen verbunden. So ist die Einhaltung der Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes mit Blick auf die Abgabe von Alkohol ein wichtiger Aspekt der Verhältnisprävention. Nicht nur die Kontrolle und ggf. Sanktion der Gewerbetreibenden stehen im Mittelpunkt, sondern ebenfalls die Information zum Jugendschutz und Alkohol im Vorfeld der Karnevalstage. Ebenso beeinflusst die Kampagne "Mehr Spaß ohne Glas" der Stadt (seit Karneval 2010) den Abgabemodus und ist möglicherweise ein weiteres geeignetes Instrument, den Konsum von Alkohol im Jugendalter zu senken.

Alkoholprävention ist nicht nur an den Karnevalstagen, sondern ganzjährig ein Anliegen der Stadt.

2007 trafen die Stadt Köln und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband eine Vereinbarung zur Verhinderung von Flat-Rate-Partys. Die Fachdiskussion zeigt, dass die Wirksamkeit von Projekten zur Suchtprävention umso höher ist, wenn Verhaltens- und Verhältnisprävention ineinander greifen, s. auch „Aktionsplan Alkohol“ (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, 2008). Die Kölner Suchtprävention ist im Sinne der Verhaltensprävention bei den Trägern der freien Jugendhilfe angesiedelt. Sie bietet ganzjährig eine Reihe von Methoden zur Alkoholprävention auf der Verhaltensebene an. Diese reichen von Informationsveranstaltungen, Fortbildungen, interaktiven Ansätzen über Printmedien, Internet, bis hin zu Beratung und Frühintervention. Die Drogenhilfe Köln entwickelte ein Fortbildungskonzept gegen den Missbrauch von Alkohol im Jugendalter für Schulen, das auch mit Blick auf die Karnevalstage eingesetzt werden kann.

Ziele

Ziel der Suchtprävention ist es, Suchthaltungen möglichst früh erkennbar zu machen. Im besten Falle können sie vermieden, hinausgezögert oder verändert werden. Dieses Ziel gilt für die Suchtthematik allgemein und hier im Besonderen für die Alkoholproblematik. Information und Fortbildung richten sich grundsätzlich an alle Arbeitsfelder der Jugendhilfe und Schule.

Die Kampagne "Keine Kurzen für Kurze" verfolgt zusätzlich das Ziel, speziell an den Karnevalstagen auf den Alkoholkonsum von Jugendlichen einzuwirken. Dieses geschieht zum einen durch die Einflussnahme auf die Abgabe von Alkohol und zum anderen mit Information und Hilfe vor Ort. Die Kampagne spricht mit verschiedenen Bausteinen explizit Gewerbetreibende, Schulen und Jugendeinrichtungen, Eltern und Jugendliche, schließlich die gesamte Öffentlichkeit an. Der Runde Tisch "Karneval - Jugendliche wollen feiern" setzte sich 1999 zum ersten Mal zur Beratung zusammen. Inzwischen trifft sich diese Runde jährlich zum interdisziplinären Fachaustausch, zur Nachbesprechung und Weiterentwicklung. Durch das Engagement aller Partner gelingt die Vernetzung und Umsetzung der einzelnen Module bis heute.

Die Angebote an den Karnevalstagen und während des ganzen Jahres im Überblick

Die gesamte Kampagne wird koordiniert durch das Amt für Kinder, Jugend und Familie, Abteilung für Kinderinteressen und Jugendförderung.

"Keine Kurzen für Kurze – gemeinsam gegen die Abgabe von Alkohol an Kinder und Jugendliche"

Die Ordnungsverwaltung verteilt mit prominenter Begleitung durch Frau Bürgermeisterin Scho-Antwerpes Informationsflyer "Keine Kurzen für Kurze" an Gaststätten und an den Einzelhandel, insbesondere Kioskbetreiber sowie in Kooperation mit der Bundespolizei rund um den Kölner Hauptbahnhof. Besucht werden hauptsächlich der Innenstadtbereich, Straßenzüge und Viertel, in denen viel Alkohol konsumiert wird sowie Kioske in Schulnähe. Es handelt sich um eine präventive Maßnahme, die einige Tage vor Karneval (Auftakt und Straßenkarneval) stattfindet mit dem Hinweis auf die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes.

Am 11.11. und während der Karnevalstage ist die Ordnungsbehörde verstärkt im Einsatz. Sie kontrolliert die Gewerbetreibende, verhängt ggf. Bußgelder und kontrolliert das Alter der Jugendlichen, die Alkohol mit sich führen.

Alternative Angebote, wie die Open-Air-Party "Jeck Dance", lud (2000 bis 2010) jährlich an Weiberfastnacht Jugendliche auf dem Neumarkt zu einem karnevalistischem Programm mit bekannten Nachwuchsbands ein (13.00 bis 19.00 Uhr bei freiem Eintritt).

Zahlreiche Jugendfreizeiteinrichtungen bieten an Weiberfastnacht Veranstaltungen für Jugendliche in den Stadtbezirken an.

Beratungs- und Informationsangebote während der Karnevalstage und ganzjährig

Die Zeiten der Sprechstunden für Jugendliche im Rahmen der Suchthilfe (ganzjährig) werden an Jugendliche und an die Rettungsdienste verteilt. Anbieter sind Drogenhilfe Köln, SKM Köln, SkF e.V. Köln. Den städtischen Elternflyer "Keine Kurzen für Kurze" sowie den "11er Rat - Tipps für Eltern“ (Drogenhilfe Köln) erhalten alle Kölner Schulen im Vorfeld des Karnevals zur persönlichen Weitergabe an Eltern. Die Drogenhilfe Köln bietet im Rahmen des 11er-Rates eine Hotline an (Weiberfastnacht, Freitag, Karnevalsdienstag und Aschermittwoch von 09.00 Uhr bis 13.00 Uhr und 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr.

Einflussnahme durch die weiterführenden Schulen im Regierungsbezirk Köln

Die Bezirksregierung Köln appelliert im Regierungsbezirk an die Schulen Weiberfastnacht Unterricht bis Schulende durchzuführen, bzw. Projekte zur Brauchtumspflege anzubieten. So kann erfolgreich verhindert werden, dass Jugendliche bereits in den frühen Morgenstunden in der Stadt unterwegs sind und sich betrinken.

Betreuungsangebot für Jugendliche an Weiberfastnacht – Benachrichtigung von Eltern

Die Streetworker des Amtes für Kinder, Jugend und Familie sowie der Arbeiterwohlfahrt Köln nehmen an Weiberfastnacht von 10.00 bis 19.00 Uhr im Bereich Innenstadt (Altstadt/HBF/Rheinufer) Kontakt zu alkoholisierten Jugendlichen auf. Die Streetworker tragen u. a. bei gewaltbereiten Jugendlichen zur Deeskalation bei und bieten inmitten der jugendlichen Karnevalsszene Rückzugsmöglichkeiten für erschöpfte Jugendliche in Pavillons bei einer Suppe und alkoholfreien Getränken an. Flankierend nutzen sie gemeinsam mit dem städtischen Gefährdungsmeldesofortdienst städtische Räume in der Innenstadt. Die Streetworker verteilen gemeinsam mit der AIDSHILFE Köln Kondome und Infokarten.

Das Aufnehmende Suchtclearing (ASC) beteiligt sich an Weiberfastnacht in der Altstadt mit Fachkräften aus der Suchthilfe als Verbindungsglied zwischen Jugendlichen und den Rettungsdiensten und zwischen Jugendlichen und Eltern. Die Fachkräfte sind im Zelt der Johanniter Unfallhilfe präsent, sind Ansprechpartner für die Belange der Jugendlichen und benachrichtigten die Eltern. Im Vorfeld verteilen sie Infokarten mit den ganzjährigen Jugendsprechstunden an die Krankenhäuser der Innenstadt.

Fachkräfte der Fachabteilung "pädagogische und soziale Dienste" sind an Weiberfastnacht und Rosenmontag im Polizeipräsidium vor Ort. Jugendliche, die dem Polizeipräsidenten zugeführt werden, kommen nach der polizeilichen Registrierung in die Obhut des Jugendamtes. Hier wird der Kontakt zu den Eltern hergestellt. Jugendliche und Eltern erhalten die Gelegenheit zur Beratung.

Hart am LimiT (HaLT)

Es handelt sich bei Halt um ein Bundesmodellprojekt, dass in Deutschland seit 2004 an zahlreichen Standorten wissenschaftlich begleitet und in der Praxis erprobt wurde. HaLt besteht aus einem pro-aktiven Konzeptteil (Repression durch Ordnungsbehörde und Polizei sowie Fortbildungen an Schulen) und einem reaktiven Konzeptteil (Gespräch mit Jugendlichen und Eltern nach Alkoholintoxikation). Der pro-aktive Konzeptteil von HaLt ist bereits durch die Kampagne „Keine Kurzen für Kurze“ und durch die Fortbildungsangebote an Schulen abgebildet. Daher verhandelte die Fachverwaltung Jugend und Gesundheit mit den Krankenkassen AOK Rheinland/Hamburg, Barmer-GEK, den Vereinigten Innungskrankenkasse und den Betriebskrankenkassen zunächst die Finanzierung einer einjährigen Pilotphase für HaLt Cologne. Die Drogenhilfe Köln führt inzwischen (seit 01.11.2011) das Projekt als Regelangebot in enger Abstimmung mit dem Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße durch. Ziel ist es, ganzjährig Jugendliche und Eltern möglichst noch im Krankenhaus ein Gesprächsangebot mit der Methode der Motivierenden Kurzintervention zu machen. Später folgt ein Risikocheck mit Jugendlichen als Gruppenangebot.

Partner

Partner der Kampagne sind neben dem federführenden Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln zahlreiche andere öffentliche Stellen, der Paritätische Wohlfahrtsverband (Kreisgruppe Köln), der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und die Bezirksregierung Köln, Polizei und Bundespolizei Köln und die Kölner Verkehrsbetriebe AG, das Festkomitee des Kölner Karnevals und die Interessengemeinschaft Altstadt, das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße, die Drogenhilfe Köln, der Sozialdienst Katholischer Männer Köln und der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Köln, die Johanniter Unfallhilfe, die Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Köln und die AIDSHILFE Köln.

Mit Unterstützung der genannten Akteure haben wir ein Hilfenetz geschaffen und ein deutliches Signal zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in der Kölner Bevölkerung gesetzt“, so Frau Dr. Agnes Klein, Beigeordnete für Bildung, Jugend und Sport der Stadt Köln.

(Stand Januar 2018)

Schlagwörter:

Sucht, Alkohol, Prävention, HaLT-Projekt

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